Eine neue Studie der Berner Fachhochschule im Auftrag von physioswiss zeigt: Physiotherapie ist bei den meisten chronischen Krankheiten wissenschaftlich empfohlen – und spart dabei sogar Kosten. Was das für deine Gesundheit bedeutet, erkläre ich dir hier.
80 % der Schweizer Gesundheitskosten – eine erschreckende Zahl
Im Jahr 2022 lagen die direkten Gesundheitskosten in der Schweiz bei über 91 Milliarden Franken. Das sind fast 900 Franken pro Kopf – jeden Monat. Und 80 % davon werden durch nicht-übertragbare Krankheiten (NCD) verursacht: Rückenschmerzen, Arthrose, Herzerkrankungen, Diabetes, Demenz und viele mehr.
Gleichzeitig hat die Schweiz weltweit eine der höchsten Raten an Hüft- und Knieoperationen – fast doppelt so hoch wie der OECD-Durchschnitt. Die Frage drängt sich auf: Werden wirklich alle diese Operationen gebraucht?
Was die Studie untersucht hat
Forscher der Berner Fachhochschule haben im Auftrag von physioswiss systematisch die 21 einflussreichsten chronischen Krankheiten in der Schweiz analysiert und geprüft, was internationale klinische Leitlinien dazu sagen: Wo ist Physiotherapie empfohlen – und wie stark?
Das Ergebnis ist eindeutig:
- Bei 16 von 21 Krankheiten sprechen die Leitlinien eine starke oder moderate Empfehlung für physiotherapeutische Massnahmen aus
- Bei 11 Krankheiten gibt es mindestens eine starke Empfehlung
- Nur bei 5 Krankheiten wurde keine physiotherapeutische Empfehlung abgegeben
Kurz gesagt: Physiotherapie ist bei den meisten chronischen Erkrankungen nicht optional – sie ist ein zentraler Baustein der Behandlung.
Bewegung schlägt passive Behandlung – fast immer
Was mich als Physiotherapeutin besonders freut: Über die Hälfte aller starken und moderaten Empfehlungen beziehen sich auf medizinische Trainingstherapie und die Förderung körperlicher Aktivität.
Passive Behandlungen wie manuelle Therapie oder Weichteiltechniken machen dagegen nur 5–7 % der starken Empfehlungen aus.
Das bedeutet nicht, dass manuelle Therapie wertlos ist – ich setze sie in meiner Praxis gezielt ein. Aber es bestätigt, was ich täglich erlebe: Wer aktiv mitarbeitet, wer seinen Körper trainiert und versteht, erholt sich nachhaltiger als jemand, der passiv behandelt wird und dann nach Hause geht.
Konkrete Beispiele: Wo Physio besonders stark empfohlen wird
Rückenschmerzen
Die WHO empfiehlt bei chronischen Rückenschmerzen stark: Bewegungstherapie, Beratung und edukative Massnahmen. Ausdrücklich nicht empfohlen: Traktion, therapeutischer Ultraschall und TENS als Routinebehandlung. Aktiv statt passiv – das ist die klare Botschaft der Wissenschaft.
Kniearthrose
Training – beaufsichtigt, unbeaufsichtigt oder im Wasser – ist bei Kniearthrose besser als keine Behandlung. Selbstmanagementprogramme und Patientenedukation werden stark empfohlen. Und das Beste: Eine Schweizer Studie zeigt, dass leitliniengerechte Physiotherapie nur CHF 2’203 pro gewonnenem qualitätsbereinigtem Lebensjahr (QALY) kostet. Zum Vergleich: Eine Schulterprothese kostet CHF 63’299 pro QALY.
Herzerkrankungen und Schlaganfall
Kardiale Rehabilitation durch Physiotherapie ist nachweislich kosteneffektiv und senkt die Rehospitalisierungsrate. Bei stabiler Herzkrankheit zeigte trainingsbasierte Rehabilitation sogar bessere Ergebnisse als eine Angioplastie.
Diabetes Typ 2
Regelmässige Bewegung – mindestens 150 Minuten pro Woche, verteilt auf mindestens drei Tage – wird als eine der wichtigsten Massnahmen im Diabetesmanagement empfohlen. Physiotherapeut:innen spielen hier eine Schlüsselrolle als «Chronic Care Manager».
Sturzprävention
Individuell angepasste Gleichgewichts- und Funktionstraining-Programme werden stark empfohlen – mindestens dreimal pro Woche über mindestens 12 Wochen. Das ist genau der Bereich, in dem Physiotherapie Leben verändern kann.
Was das für dich bedeutet
Diese Studie bestätigt, was meine Arbeit täglich zeigt: Dein Körper kann mehr, als du denkst – wenn er die richtigen Impulse bekommt.
Physiotherapie ist keine Luxus-Zusatzbehandlung. Sie ist bei den meisten chronischen Erkrankungen wissenschaftlich empfohlen, kosteneffektiv und oft die bessere Alternative zu teuren Operationen oder einer rein medikamentösen Behandlung.
In meiner Praxis xphysio verbinde ich genau diese evidenzbasierte Grundlage mit einem ganzheitlichen Blick: Ich schaue nicht nur auf die schmerzende Stelle, sondern auf dich als ganzen Menschen – deine Bewegungsmuster, deinen Schlaf, dein Stressniveau, deinen Alltag. Denn das ist es, was laut Wissenschaft nachhaltig wirkt.
Fazit
Die BFH-Studie im Auftrag von physioswiss ist ein starkes Statement: Physiotherapie gehört ins Zentrum der Gesundheitsversorgung – nicht an den Rand. Wer früh handelt, aktiv bleibt und sich professionell begleiten lässt, investiert in seine Gesundheit auf eine der kosteneffektivsten Arten, die es gibt.
Schurz A., Taeymans J., Baur H. & Lutz N. (September 2024): Stellenwert der Physiotherapie bei nichtübertragbaren Krankheiten in der Schweiz – Leitlinien-basierte Empfehlungen und Kosteneffektivität. Berner Fachhochschule, im Auftrag von physioswiss.
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